| Godards 1963 gedrehter Film "Le Mépris" (Die Verachtung) ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist es Godards einziger bewußt kommerzieller Film aus den Sechzigern, zum anderen die vielleicht einzige schauspielerische Glanzleistung Brigitte Bardots. Der von Sophia Lorens Ehemann Carlo Ponti produzierte Streifen versucht ein Gegengewicht zu Hollywood, Cinecittà, Mosfilm usw. zu setzen, indem er "großes" unabhängiges Kino anbietet, ohne in stereotypes, oberflächliches Gehabe abzugleiten. Nach der Vorlage Moravias Roman sehen wir einen Film voller filmgeschichtlicher Zitate: Jack Palance als die Inkarnation des gierigen, verblödeten amerikanischen Produzenten, Fritz Lang als er selbst (und nur das), Michel Piccoli als hilfloser Einsteiger, Claudia Moll als überflüssige Statistin und Brigitte Bardot als die einzige Figur, die ihre Integrität im von Einfluß und Selbstsucht beherrschten Beziehungsdschungel der Filmindustrie bewahrt. Gleichzeitig thematisiert "Die Verachtung" ein altes cinematographishes Topos, den Film im Film: Lang als Regisseur der "Odyssee", Palance als sein Produzent und Piccoli als sein Drehbuchautor, die sich nicht einigen können, ob der gedrehte Film die Götter Griechenlands als sittliches Vorbild deifizieren oder als beliebige Vorlage für menschliche Begierden entwürdigen soll. Daneben vermischt sich die Ehekrise zwischen Paul und Camille (Piccoli und Bardot) mit der Geschichte Odysseus' und Penelopes. Teilweise im Haus Malapartes auf Capri gedreht, besticht der Streifen u.a. durch seine intensiven Farben, Delerues zauberhafte Musik und Langs Präsenz als einer der gesitigen Väter der "Neuen Welle" (Nouvelle Vague). Als Camille ihren Mann verläßt, verliert sie ihr Leben im Auto des Produzenten, der in einen Tanklastwagen rast. Selten hat das europäische Kino einen schöneren Tod hervorgebracht als die wie bei Velázquez nach geometrischen Gesichtspunkten komponierte Einstellung Brigitte Bardots und Jack Palances im Wrack des kleinen Alfa Romeo zwischen den Tankkübeln des LKWs, der ihren Weg kreuzte. Als die Kamera nach oben schwenkt, nimmt Delerues musikalisches Leitmotiv an Intensität zu, um sofort wieder zu verschwinden, als die nun entleerte Postkartenansicht Malapartes Haus mit den Hinterbliebenen (Paul, Francesca) ins Bild rückt und Fritz Lang unbeirrt "seine" Version der "Odyssee" weiterfilmt. Ein ästhetischer Genuß in vier Sprachen (Frz., Engl., Dt., Ital.), den jeder, der die aalglatten, "gut gemachten" amerikanischen Filme jener Zeit über hat, genießen wird.
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