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Home > Book > Von der Pflicht zu führen: Neun Gebote der Bildung
Von der Pflicht zu führen: Neun Gebote der Bildung

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Kurzbeschreibung: 
Vielleicht ist Bernhard Bueb einer der umstrittensten deutschen Pädagogen. Das hat zum einen mit seiner Rolle als Schulleiter von Schloss Salem zu tun, das er mit harter Hand (inklusive Alkohol- und Drogentests unter den Schülern) wieder zu einem angesehenen Elite-Internat gemacht hat. Das liegt aber vor allem an seinem als ?Streitschrift? deklarierten Buch Lob der Disziplin, das bei seinem Erscheinen 2006 zu einer lebhaften Diskussion im Blätterwald des Feuilletons geführt hat. Während die einen Buebs Forderung nach mehr Autorität des Lehrers und mehr Disziplin im Klassenraum als längst überfällige Abkehr von der Achtundsechziger-Pädagogik lobten, rückten Kritiker seine Thesen in die Nähe faschistischer Ideale.

Von der Pflicht zu führen merkt man die Spuren dieser öffentlichen Diskussion deutlich an. Im Gegensatz zu Lob der Disziplin verzichtet Bueb hier eher auf Provokantes, sondern setzt vielmehr verstärkt auf konkrete Beispiele aus der refrmierten Schulpraxis und die Macht der -- teils allzu weitschweifigen -- Erläuterung. Dabei will sich das Buch mit seinen ?neun Geboten der Bildung? als Leitfaden für Lehrer (und zum Teil auch für Schulleiter und Eltern) verstehen, mit dem diese bessere Pädagogen, Erzieher und Bildungsmanager werden sollen. Jedes Kapitel ist mit einem Leitsatz wie ?Sei Vorbild!? oder ?Setze klare Ziele? überschrieben, den der folgende Text näher erläutert. Disziplin und Autorität stehen da noch immer im Zentrum. Aber das, was folgt, ist praktischer angelegt als im Vorgängerbuch.

Von der Pflicht zu führen will nicht mehr und nicht weniger als die ?kopernikanische Wende? in der Bildungspolitik. Deshalb bleibt das Buch an der Tür des Klassenzimmers nicht stehen, sondern fordert -- neben einer konsequenten Evaluationspraxis für Lehrer -- auch ein Schulmodell, dass auf die Ganztagsschule setzt. Da ist sicher vieles konservativ und am klassischen Bildungsbegriff Platons und Goethes orientiert. Aber diskussionswert sind die Thesen Buebs allemal. Und faschistisch sind sie sicher nicht. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de



Kundenbewertungen: 
Einfach nur Geschwafel
1 out of 5 stars.
Nachdem Bueb mit seinem Lob der Disziplin: Eine Streitschrift in ein vermeintliches Wespennest (bei näherer Betrachtung waren es allerdings eher ein paar tote Motten in der Lampenschale) gestochen hat und bei dem vorm WK2 geborenen Teil unserer Bevölkerung auf entsprechende Begeisterung incl. Buchkaufrausch gestoßen ist, war es zu befürchten, dass eine Fortsetzung folgen würde. Diese ist seitenmäßig genauso dünn ausgefallen wie der Vorgänger, substanzmäßig allerdings noch deutlich dünner: es ist einfach nur das Geschwafel eines aus der Zeit gefallenen Mannes, der darauf auch noch stolz zu sein scheint. Die Welt besteht aber nicht nur aus Salem, und die elitären "Führungspersönlichkeiten", die von solchen Institutionen auf die Menschheit losgelassen werden, haben ihre eigene fachliche, soziale, ethische und emotionale Inkompetenz in den letzen Wochen eigentlich eindringlich genug dokumentiert (von der Zeit vor WK2 reden wir lieber gar nicht erst). Für Leser, die ihre eigene scheuklappenartige Weltsicht bestätigt haben wollen, mag Bueb eine willkommene Lektüre sein; für jeden anderen ist der Inhalt genauso eine Zumutung wie der Preis dieses Büchelchens.

Ja, es gibt eine Pflicht zum Führen
5 out of 5 stars.
Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Und wer das nicht will, eignet sich auch nicht besonders für Führungsaufgaben. Als Leser merkt man bei der Lektüre sofort, dass Bernhard Bueb sein Führungsmodell im praktischen Alltag lernte, basierend auf einem Weltbild, an das er persönlich glaubt. Und auch wenn ich nicht in jedem Punkt mit ihm einig gehe, sind mir seine Ausführungen lieber als ausgewogene, auf theoretischem Wissen basierende Rundumrezepte von Beratern ohne langjährige Eigenerfahrungen. Mag sein, dass einige Formulierungen etwas antiquiert wirken, die Inhalte sind es nicht.

Es gibt durchaus strukturelle Gründe, warum Lehrer und Schulleiter ihre Führungsaufgaben nicht so wahrnehmen, wie man sich dies wünschte. Und Bernhard Bueb zählt viele diese Gründe auch auf. Vor allem in seinem lesenswerten Exkurs "Schulleiter sind Könige Ohneland". In einem beruflichen Umfeld, in dem die Meinung mehrheitsfähig ist, die Welt lasse sich durch Gesetze, Regeln und Normen verbessern, ist die Versuchung groß, sich aus der persönlichen Verantwortung zu stehlen. Daher endet dieses Buch mit dem Kapitel "Warte nicht auf die Politik, werde selber aktiv!" Wenn der ehemalige Leiter der bekannten Internatsschule Schloss Salem im Alter von siebzig Jahren nicht mehr viel von der Politik erwartet, kann ich das bestens verstehen. Trotzdem empfehle ich jüngeren Semestern einen Zweifrontenkriegen zu wagen. Denn wer soll denn Widerstand gegen träge Mandatsverteidiger leisten, wenn nicht die Jungen?

Christoph Eichhorn hat mit "Classroom-Management" ein Führungsbuch für Lehrer und Lehrerinnen geschrieben, das konkreter auf die Praxis ausgerichtet ist und moderner daherkommt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass er sich mit Bernhard Bueb verstehen würde. Denn auch Eichhorn geht davon aus, dass Führung mehr mit Charakter und innerer Einstellung zu tun hat als mit einem Programm, wie man in sieben Schritten zum Helden wird. Die Gebote, an die Bernhard Bueb seine Leser erinnert, gehen über Tagespolitik und Moden hinaus, ob sie nun in der Sprache eines Humanisten, eines Alt-68ers oder eines Pfadfinderführers im Teenageralter formuliert sind.

Mein Fazit: Bernhard Bueb macht es seinen Kritikern leicht, sich von ihm und seinen Aussagen distanzieren zu können. Aber genau damit weckt er bei mir Sympathien. Und weil ich den Kern seiner Botschaft wichtig genug finde, springe ich über einige ideologische Schattenwürfe und runde bei der Bewertung auf.


Von der Bedeutung reifegerechten Umgangs
4 out of 5 stars.
"[...] nicht zurück, wie's mir beliebt / ich muss die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht." (Schiller in Wallenstein, 1800)

Bueb (1938-), der Wallenstein recht gern zitiert, wird auch diesen Wahlspruch aus dem Wallenstein Monolog kennen und auf sich anwenden können. Ist doch sein Denken und sein Wirken geprägt aus der humanistischen Bildung, die noch die Zusammenhänge der Geschehnisse berücksichtigte und beachtete und die nicht auf den Punkt der Zielerreichung allein ausgerichtet ist, sondern darüber hinaus von Wert ist. Menschen in diese Position der Bildung zu begleiten, zu lenken und liebevoll zu führen, eine Position, "die einem gewachsenen Selbstvertrauen entspringt", die Urteilsvermögen entwickelt und so eigenen Lebenssinn schafft "unabhängig von den Verführern dieser Welt" ist Aufgabe und Zweck von Führungskräften mit Herzensbildung. Dieses Dahin-Führen ist für Bueb eben Bildung und so ist Bildung im klassischen Sinne und Führen im Sinne von "leiten, planen, koordinieren, delegieren und kontrollieren" eine notwendige Maxime und Haltung von Erziehungsverantwortlichen. Diese müssen zusätzlich Führung nicht nur als Maßnahme von Macht begreifen, sondern Führung als Maßnahme des Dienens betrachten, in der Elternrolle um die Liebe zu den Kindern ergänzt, in der Lehrerrolle ergänzt um verständnisvolle Lernen lehren, in der Unternehmerrolle ergänzt um Beachtung und fühlbare Aufmerksamkeit. Bueb ist dort ganz Platoniker, der sich der Haltung Sokrates erinnert und die Unterstützung zum "Erkenne Dich selbst" und in Folge zum Kantschen "Sapere aude" als wichtigste Aufgabe sieht. Nicht ist die Vermittlung allein das Maß, das Maß ist der Mensch als Vorbild, als Vertrauensperson im Fördern und Fordern. Da wo die Wirtschaft sich der Notwendigkeit der Führung erinnert und im Können von Führung höchste Qualität zum unternehmerischen Erfolg proklamiert, kann sich Schule und Elternhaus nicht aus der Verantwortung stehlen. Wirtschaft wird dann auch nur da den ganzen Menschen an- und betreffen, wenn der Führungsgedanke vor der Erwartung ökonomischer Interessen gelernt und gelehrt ist und im Sinne des Vorlebens Geltung bekommt.

Bueb geht mit diesem Buch in die zweite Runde seines ersten Buches (Lob der Disziplin). Ihn aber nur dort wieder einzureihen, verliert den Zusammenhang zu anderen aktuellen Diskussionen. Den Gedanken des entwicklungspsychologisch angepassten Umgangs zwischen Erzieher und Erziehenden, zwischen Menschen an sich wird gerade auch bei Michael Winterhoff kontrovers diskutiert. Auf gesellschaftlich-philosophischer Ebene ist in der unseld Reihe gerade auch Die Logik der Sorge: Verlust der Aufklärung durch Technik und Medien erschienen. Hier findet man auch die Umwelt- und Gesellschaftseinflüsse auf Jugendliche in Bezug zu den Erwachsenen und umgekehrt.

Alle Interessen werden verbunden durch die Schlacht für die Intelligenz, durch die Schlacht für die Bildung und durch ein klares Bekenntnis für den zugewandten, liebevollen Umgang mit Heranwachsenden konform zum jeweiligen Entwicklungsstand des Wissens, der Reife, der Bildung und der Psyche. Reifegerechter Umgang ist notwendiger Bestandteil der Führung, sei es im Elternhaus, in Schule oder den Unternehmen. Die Führung als Prinzip und Anleitung zur eigenen Lebensführung wird so gelehrt und gelernt, beherrscht und bedarf vielleicht nicht mehr der Unterstützung asiatischer Kunst aus den Kampftechniken.

Insgesamt ein lesenswertes Buch insbesondere für die Schule und für Lehrer gedacht, aber auch Eltern und Unternehmern/Führungskräften empfohlen. Einige Wiederholungen auch zum Vorgänger mindern, daher eine gute 4-Sterne Neuerscheinung!
~~

Mut zum Umdenken
5 out of 5 stars.
Bueb hat wieder ein klares, präzises Buch vorgelegt. Quintessenz des Buches ist eine Aufforderung zu einer wieder größer werdenden Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für sich und sein Umfeld, Reflexion und Kommunikation. Gradlinigkeit und Führen durch Vorführen sind dabei unabdingbar. Gäbe es mehr dieser Lehrer (und weiterer Führungskräfte), die es wirklich schaffen, Schüler (und auch das weitere Umfeld) wieder neugierig zu machen und mit ihrer Leidenschaft anzustecken und für Themen zu begeistern, gäbe es wohl das ein oder andere Problem in unserer Gesellschaft nicht. Nicht nur Lehrer, Eltern und Erzieher, sondern alle sind hier angesprochen. Dieses Buch sollte nicht zu letzt Pflichtlektüre für Politiker sein.

Auf dem Bucheinband steht, dass dieses Buch ein Plädoyer für ein radikales Umdenken in Bildung und Erziehung sei. Das Wort radikal scheint mir nicht angemessen. Ein Plädoyer zum Umdenken ja, radikal nein. Es macht Mut, in neue Richtungen zu denken und zeigt anhand von Beispielen, dass das auch geht.

In Stein gemeißelt?
5 out of 5 stars.
Eigentlich ein dünnes Bändchen; bei genauerem Hinsehen ein Aufguss seines Bestsellers.
Der Leser fragt sich, warum nur 9 Gebote und nicht gleich 10, in Stein gemeißelt und von Gott Vater überreicht.

Für Bueb ist Erziehung im wesentlichen Führung und Gefolgschaft. Es versteht sich von selbst, dass er damit die besten Absichten verfolgt.

Aber das wollten seine autoritären Vorgänger auf diesem Gebiet ja auch.

Ansonsten bekommt der Leser einen Gemischtwarenladen von Binsenweisheiten aufgetischt, versetzt mit oberflächlichem bildungspolitischem Konsens.
Dass das deutsche Bildungssystem eine ausgeklügelte Sortiermaschine ist, die den Menschen auf einen bestimmten Platz setzt, dass Schüler und Eltern Angst vor Versagen und Abstieg haben und dadurch massenhaft Streß erzeugt wird, kommt bei Herrn Bueb nicht vor.
Trotzdem lesenswert, um die Argumentation kennen zu lernen .... und sich selbst argumentativ fit zu machen.




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