| Das Brettspiel versucht, die Atmosphäre und Spieldichte eines Online-Rollenspiels abzubilden. Es ist klar, daß das nicht 100%ig gelingen kann. FFG ist ein guter Kompromiß aus Einfachheit und Verständlichkeit einerseits und Spannung sowie Spieltiefe andererseits gelungen. Bei diesem Spiel gibt es zwei Seiten, die Allianz (Menschen, Elfen, Zwerge und Gnome) steht gegen die Horde (Orks, Trolle, Tauren und Untote). Jede der zwei Seiten hat 2 oder 3 Helden, die versuchen, der eigenen Seite den Sieg zu bringen. Insofern kombiniert es Teamplay mit klassischem Gegeneinander. Ziel des Spiels ist es, entweder in einem 'Duell' am Schluß (nach 30 Runden) die andere Partei zu schlagen oder vor Ablauf der 30 Runden ein mächtiges Monster (Lich, Dämon oder Drache) zu erschlagen. Um das Ziel erreichen zu können, gilt es Erfahrungen zu sammeln. Anfangs sind die Helden noch ziemlich schwach und müssen noch vor dem leichtesten Gegner zittern. So nach und nach kommen dann die Erfahrungspunkte zusammen, die Helden steigen auf und werden besser: Lebensenergie und Energiepool steigen, neue Fähigkeiten werden gewonnen und Zauber können gekauft werden. Wenn man dann noch ein paar gute Gegenstände (Waffen, Rüstungen etc.) findet, dann steht dem ewigen Ruhm nicht mehr viel im Weg. Erfahrung wird fast ausschließlich durch Quests gewonnen. Diese bestehen immer daraus, ein bestimmtes Monster (oder eine Gruppe) an eines bestimmten Stelle zu erschlagen. Das ist etwas schade, da also nur Kampfquests existieren - im Onlinespiel gibt es eben doch auch andere Arten von Quests. Gegenstände werden von besiegten Gegnern 'geplündert' oder in einer Stadt von Händlern gekauft werden. Zauber werden 'gekauft', um erlernt zu werden. Interessant ist, daß man nicht ständig wild Zauber und Ausrüstung wechseln kann. Dafür gibt es in jeder Runde einmal die Gelegenheit, der nächste Kampf ist dann also mit der festgelegten Ausrüstung auszutragen. Alles in allem macht das Spiel wirklich viel Spaß. Man kann gegen die andere Partei kämpfen, oder aber sich nur um Monster kümmern; man kann sich selbst überlegen, welche Fähigkeiten man erlernen möchte und welche Quest als nächstes gelöst werden soll. Dazu kommt das schöne Angebot unterschiedlicher Charaktere: es gibt neun verschiedene Heldentypen und insgesamt 16 Helden, aus denen man wählen kann: Paladin (nur Allianz) - Mensch/männlich Schamane (nur Horde) - Ork/weiblich Krieger - Elf/weiblich, Ork/männlich Jäger - Zwerg/männlich, Taure/männlich Schurke - Gnom/weiblich, Troll/männlich Magier - Gnom/männlich, Untote/weiblich Hexenmeister - Mensch/weiblich, Untote/männlich Druide - Elf/männlich, Taure/weiblich Priester - Zwerg/weiblich, Troll/weiblich Die Charaktere sind sehr gut ausgewogen. Es gibt keine 'schlechten' Charaktere. Sicher ist der Paladin ein stärkerer Nahkämpfer als eine der Priesterinnen. Diese können dafür die Gruppenmitglieder heilen und sind dem Paladin im Fernkampf überlegen. So haben alle Charaktere Stärken und Schwächen. Das Spielgleichgewicht ist aber dabei trotzdem gewährleistet. Der Preis für das Spiel ist ziemlich hoch. Allerdings hat man neben den 16 Heldenfiguren insgesamt 120 Monsterfiguren. Zusammen sind es über 1000 Einzelteile (Figuren, Karten, Marker für Gold/Leben/Energie etc.) Ich empfehle jedem Käufer, die Teile in Clipbeuteln vorsortiert aufzubewahren, da sonst der Spielaufbau schon Stunden dauern kann. Mein abschließendes Urteil ist, daß diese Umsetzung sehr gut gelungen ist. Das Spiel macht immer wieder Spaß, durch Wechsel der Seite und des Heldentyps ergeben sich immer neue Konstellationen, so daß Langeweile nicht so schnell aufkommt. Die Spieleanleitung gehört zu den Besten, die ich je gelesen habe. Sie ist ausführlich und gut geschrieben, es gibt viele Beispiele und so bleiben kaum Fragen über (bei 4 Spielen stieß ich auf eine kleine Unklarheit, die schnell mit 'gesundem Menschenverstand' zu lösen war). Der Preis (ich habe 75,- ? bezahlt) ist zwar hoch, aber das Spiel ist diesen Preis wert.
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