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Home > Book > The Man in the Dark
The Man in the Dark

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Kundenbewertungen: 
The weird world rolls on
5 out of 5 stars.
Der vierte Roman innerhalb von fünf Jahren - wahrlich, Paul Auster lässt seine Fangemeinde selten lange auf das nächste Werk warten. Und dabei gelingt es ihm mit seiner ungemein flüssigen, ungemein kurzweiligen Erzählweise, immer wieder neue Leser zu rekrutieren, um mit ihnen auf den Feldzug für die nackte literarische Wahrheit zu gehen, die da lautet: Ein Roman ist eben ein Roman. Sein Schöpfer, der Autor, ist mit der Allmacht ausgestattet, Welten zu schaffen, Welten zu zerstören. Er hat jederzeit das Recht, die Fiktion, deren Leser eben noch so gefesselt erlegen war, zu brechen. Es ist erstaunlich, dass dieses postmoderne Konzept so beharrlich zu funktionieren scheint - und das schon seit Jahrzehnten. Aber soll man dieses Repetieren einem Paul Auster wirklich vorwerfen? Hat er doch mit seinem Man in the Dark" (Dt. Mann im Dunkel") nun endlich mal wieder - sozusagen wortwörtlich - voll ins Schwarze getroffen.

Erzähler der Geschichte ist August Brill, von der Gebrechlichkeit des Alters gezeichnet, liegt er in tiefster, onyxschwarzer Nacht in seinem Bett und ringt krampfhaft mit dem Verdrängen schmerzlicher und traumatischer Erlebnisse. Dem Krebstod seiner Frau. Und der emotionalen Zerrissenheit der übrigen Familie: Im Haus wohnen noch seine Tochter Miriam, die vor Jahren von ihrem Mann verlassen wurde und Kathy, seine Enkelin, deren Freund Titus ermordet wurde.

Ungemein temporeich, in einer geradezu endzeitlichen Atmosphäre, ersinnt Brill die Geschichte von Owen Brick. Der 30-jährige, Zauberer von Beruf, wacht in einem parallelen Amerika der Gegenwart auf - und wird mit der Ermordung eines Mannes beauftragt. Dieses Amerika hat den 11. September 2001 nicht erlebt, auch den Irak-Krieg hat es nicht gegeben. Stattdessen tobt ein zweiter Sezessionskrieg. Wir erfahren, dass Föderalisten - unter George W. Bush - gegen unabhängige Einzelstaaten kämpfen und das dem ganzen Blutvergießen nun ein Ende bereitet werden soll. Bricks Auftrag lautet, den Schöpfer dieses parallelen Amerikas zu töten, um das alte" Amerika wiederherzustellen: August Brill.
Auf seiner endzeitlichen Odyssee wird Brick mit seiner Vergangenheit konfrontiert - sein Jugendschwarm, Virginia, versucht ihn auf sanfte Weise von der Wichtigkeit seines Auftrags zu überzeugen. Schläger, die mit der Ermordung seiner Frau drohen und mit weiteren Argumenten, die sichtliche Spuren an Brick hinterlassen, wählen eher unsanfte Methoden.

Brill steigt immer wieder aus dieser Fiktion um Owen Brick heraus und vergegenwärtigt uns sein ganz persönliches Leid. Die Welt der Literatur ist ein schöner Trost, um die reale Welt zu ertragen. Aber Vergessens süßes Gegengift", wie es in Macbeth heißt, wird nicht genügen. Brill erkennt, dass er der düsteren Realität nicht mit Geschichten begegnen kann. Miriams Aufsatz über Rose Hawthorne, die - trotz vieler Unzulänglichkeiten und ihrem ganzen Scheitern - doch noch etwas aus ihrem Leben machen konnte, verfasste in ihrer mediokren Lyrik einst den Satz: As the weird world rolls on. Es geht weiter. Immer und immer weiter.

Dieser Auster-Roman stellt voller Groll über ein gespaltenes Amerika. Er verwischt einmal mehr die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Und er lässt, wie eh und je, den Leser in die klassische Auster-Falle tappen: Es ist eben alles nur eine Geschichte. Allerdings ist das letzte Drittel dieses Romans ausnahmsweise der Realität gewidmet. Da springt Mister Auster über den eigenen (postmodernen) Schatten und lässt seinen Erzähler poetisch, tiefgründig und realistisch wie selten über das Leben sinnieren. The weird world rolls on - das wünscht man sich auch für zukünftige Auster-Welten, auch wenn sie verzaubern und alle Zauberei - dann und wann zum Ärgernis des Lesers - als Humbug entlarven, es sind und bleiben faszinierende Welten, in die man gerne versinkt.


Touch me, someone. Put your hand on my face and talk to me..." (177).
5 out of 5 stars.
"I am alone in the dark, turning the world around in my head as I struggle through another bout of insomnia, another white night in the great American wilderness" (1). Paul Auster ist wieder da und das so gut wie lange nicht mehr. Nach dem eher heiteren The Brooklyn Follies und dem arg verspielten Travels in the Scriptorium hat sich Auster, ein Hauptvertreter der amerikanischen Postmoderne, in seinem neuen Roman "Man in the Dark" wieder auf das Besonnen, was seine frühen Romane zu kleinen Meisterwerken hat werden lassen. Dunkel, düster und mysteriös ist der Roman und doch liegt ihm eine zutiefst menschliche Fragestellung zu Grunde: Wie kann in einem sinnentleerten Universum, in dem es keine sinngebende Instanz gibt, der Mensch sein Leben leben, ohne an der offensichtlichen Sinnlosigkeit seiner Existenz zu verzweifeln? Dies ist die Frage, die das Leben des postmodernen Menschen überhaupt bestimmt.

Der 72-jährige Literaturkritiker August Brill ist an sein Bett gefesselt und lebt mit seiner Tochter, die vor fünf Jahren von ihrem Mann verlassen wurde, und seiner Enkelin, deren Freund grausam ermordet wurde, zusammen. Er selbst hat vor einem Jahr seine Frau verloren: "It's a house of grieving wounded souls, and every night Brill lies awake in the dark, trying not to think about the past, making up stories about other worlds" (71). Genau das ist Brills Methode, um nicht an seinem Leben zu verzweifeln: Er erfindet Geschichten, Geschichten, die einen Großteil des Romans ausmachen und tief in das angeknackste Selbstvertrauen einer gesamten Nation blicken lassen.

Der dreißigjährige Owen Brick wacht plötzlich als Soldat in einem Dreckloch auf und stellt fest, dass Amerika im Krieg ist. Und zwar nicht im Krieg gegen den Irak, sondern im Krieg gegen sich selbst: Es herrscht Bürgerkrieg! Nach dem Wahlbetrug des Jahres 2000 haben sich 16 Staaten vom Rest der USA abgespalten. 9/11 hat es nie gegeben, den Krieg gegen den Terror auch nicht, es gibt nur den Krieg eines Landes gegen sich selbst. Der völlig verwirrte Brick wird vor eine schwere Entscheidung gestellt. Er muss einen Mord begehen, um wieder in seine Welt, in sein Amerika, zurückkehren zu können. Er soll den Mann ermorden, der für den Bürgerkrieg, das millionenfache Morden, verantwortlich ist. Dieser Mann liegt in seinem dunklen Raum und denkt sich die Geschichte aus, die in dieser Welt blutige Realität wird. Sein Name: August Brill.

Die Vermischung von Realität und Fiktion, die Macht von Sprache und Literatur, Realitäten und Wahrheiten zu kreieren, die Unmöglichkeit, außerhalb von Sprache überhaupt menschliches Leben darstellen zu können, zieht sich seit Austers Debutroman "The New York Trilogy" leitmotivisch durch das gesamte Werk des Autors: "There's no single reality, Corporal. There are many realities. There's no single world. There are many worlds, and they all run parallel to one another, worlds and anti-worlds, and each world is dreamed or imagined or written by someone in another world. Each world is the creation of mind" (69).

Doch der Paul Auster des Jahres 2008 ist politischer als der des Jahres 1988. Er zeichnet das Bild eines zerrissenen Landes, welches sich im Krieg mit sich selbst befindet, auch wenn dieser Krieg auf amerikanischen Boden nicht mit Waffen ausgefochten wird, das Land aber nichtsdestoweniger gespalten hat. Am Höhepunkt des Romans beschreibt Auster eine Szene, die sich tief in das kollektive Gedächtnis der gesamten westlichen Welt gebohrt hat und die sich an der entsprechenden Stelle wie eine Anklage gegen acht Jahre Bush liest.

Gibt es überhaupt noch was, was den Menschen in dieser Welt der Postmoderne Halt und Sinn gibt? Der Auster des Jahres 2008 gibt darauf eine klare Antwort: "How fast it all goes. Yesterday a child, today an old man, and from then until now, how many beats of the heart, how many breaths, how many words spoken and heard? Touch me, someone. Put your hand on my face and talk to me..." (177). Ein wunderschöner Satz, der das Wesen menschlicher Existenz prägnant auf den Punkt bringt: Der Mensch wird geboren, der Mensch stirbt und alles, was ihm in der Zwischenzeit Halt gibt, ist das Bewusstsein der Anwesenheit anderer Menschen.

Fazit: Dunkel, düster, politisch, menschlich. "Man in the Dark" ist der beste Roman Paul Austers seit langem. In dieser Form kann man sich nur auf den nächsten Roman des in New York lebenden Autors freuen.

DARKNESS SURROUNDS HIM
4 out of 5 stars.
Loneliness takes many forms. For some it is a feeling of intense isolation even in a crowd or a room full of friends. If it is dark, nighttime, one may feel almost disabled by desolation. You truly are alone save for your thoughts, memories, unanswered questions that prevent sleep and only summon remorse. That is the condition in which August Brill finds himself in Paul Auster's brilliantly challenging latest novel "Man In The Dark."

At 72 years of age Brill finds himself in his daughter's Vermont home where he is trying to recover from an automobile accident. Sleep eludes him as he recalls past tragedies - the death of his wife, the desertion of his daughter's husband, the death in Iraq of Titus, his granddaughter's fiancé. A retired book critic Brill has a fertile imagination, and sees in his mind's eye quite a different America, and it is a haunting scene - a place where there has not been a terrorist attack, our country is not at war save for within itself when New York and 16 other states secede from the Union.

He flagellates himself for these thoughts, saying, "Why am I doing this? Why do I persist in traveling down these old, tired paths; why this compulsion to pick at old wounds and make myself bleed again?"

Auster, as is his wont, challenges us to consider the world in which we live. He underscores the atrocities of war by relating the horrible death of Titus that is posted on the Internet and seen by Brill and his granddaughter.

Brilliant, shocking? Yes. It is also unforgettable, undeniably the work of one of the most creative minds of our generation.

Auster's narration of his work brings an added depth to the story. For this listener there is a greater understanding of the author's intention when the inflections, phrasings, and emphases are his own.

- Gail Cooke




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