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The Post-American World
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| Die Vereinigten Staaten im Sog globaler Machtverschiebungen | |
|  | Der aus Indien stammende und in den USA lebende Publizist Fareed Zakaria legt in seinem jüngsten Buch eine Analyse globaler Machtverschiebungen vor, die in ihrer Konsequenz zu einem relativen Machtverlust der Vereinigten Staaten führen werden. Für diese Entwicklung ist aus seiner Sicht nicht der im alten Europa viel beschworene Niedergang Amerikas hauptverantwortlich. Es ist vielmehr der rasante Aufstieg der übrigen Mächte, der für die USA zu einer großen Herausforderung wird.
Die drängendste interne Herausforderung liegt dabei in der Überwindung der Schwäche des politischen Systems der Vereinigten Staaten begründet. Die Parteien und Institutionen des Landes sind seiner Auffassung nach immer weniger im Stande, die akuten Probleme in der Innen- und Außenpolitik effizient anzugehen. Ideologische Grabenkämpfe verhindern einen notwendigen überparteilichen Konsens. Zakaria kontrastiert diesen Schwachpunkt der Politik mit der Stärke der amerikanischen Ökonomie und Gesellschaft. Die Wirtschaft ist nach wie vor wettbewerbsfreudig und innovativ. Trotz ihrer gegenwärtigen Stagnation ist sie langfristig in der Lage, äußerst produktiv zu sein. Auch die amerikanische Gesellschaft ist seiner Ansicht nach sehr mobil und flexibel. Sie ist nicht dekadent und verbraucht, sondern leistungsstark und anpassungsfähig. Am Besten zeigt sich dies am Beispiel der Wissenschaften, wo amerikanische Universitäten und Forschungseinrichtungen die Weltspitze bilden. Im Unterschied zum britischen Reich, dass Zakaria als historische Referenz dient, stehen die USA noch gut da. Sie haben die ökonomische und technologische Basis, die dem Empire fehlte, um auch weiterhin eine zentrale Rolle in der internationalen Politik spielen zu können. Es ist für Zakaria deshalb gut möglich, dass sich aufstrebende Mächte wie China oder Indien friedlich in die von Amerika geschaffene Weltordnung integrieren lassen. Der Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Welt kann sich für alle Großmächte positiv auswirken, wenn die USA nur akzeptieren, dass sie nicht mehr der uneingeschränkte Hegemon in der Weltpolitik sind.
Ein solcher Optimismus bleibt allerdings höchst fragwürdig. Zakaria blendet die keinesfalls unwahrscheinliche machtpolitische Rivalität zwischen den Großmächten weitgehend aus. In seinen Überlegungen ist z. B. China kein potentieller Hegemon, der versuchen wird, die bestehende internationale Ordnung massiv zu seinen Gunsten zu verändern. Revisionistische Mächte und gierige Staaten kommen in seiner Perspektive nicht vor. Ein derartiges Versäumnis ist bei diesem Autor überraschend. Noch in den neunziger Jahren war Zakaria aufgrund seiner wichtigen Publikationen zu den sogenannten offensiven Realisten gerechnet worden. Die Vertreter dieser Denkschule zeichnen sich gerade durch die Thematisierung einer aggressiven Mächterivalität aus. Das Zakaria in diesem Buch darauf verzichtet ist bedauerlich. Den positiven Gesamteindruck schmälert es aber kaum. Seine Ausführungen sind informativ und lesenswert.
Jürgen Rupp
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